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Ursula Eggli
Schriftstellerin
Ich wurde vor über 60 Jahren als Älteste von
drei Kindern in eine Arbeiterfamilie hinein geboren. Wie auch mein
jüngster Bruder bin ich seit meiner Kindheit wegen progressiven
Muskelschwund auf einen Rollstuhl angewiesen. Überhaupt sind wir eine
richtige Freakfamilie. Zum Beispiel auch meine Mutter, ein ehemaliges
Verdingkind, erkrankte an Kinderlähmung und wurde später blind.
Als Kind besass ich ein
Bilderbuch, worin eine Tänzerin mit rosarotem Tutu abgebildet war.
Dieses Antibild zu meiner eigenen Realität liebte ich heiss. Krumm
gewachsen und auf den Rollstuhl angewiesen, im engen Korsett
eingebunden, sah ich mich schweben und fliegen, später auch manchmal mit
dem Hexenbesen hoch in den Lüften. Sicher waren meine Kinderfantasien
mit ein Grund, dass ich später Schriftstellerin wurde.
Ich besuchte kurz die
Dorfschule, lebte später in einer Heimschule fern von zu Hause. Als
Erwachsene baute ich Wohngemeinschaften mit Behinderten und
Nichtbehinderten auf.
Seit 25 Jahren wohne ich in Bern in einem wunderschönen Hexenhäuschen,
das von der Stadt behindertengerecht umgebaut wurde.
Hier lebe ich mit Hilfe einer
privaten Spitex, privat angestellten Leuten und einem grossen
Freundeskreis einigermassen selbstbestimmt. Auch die im selben Haus
wohnende Familie ist vertraglich eingebunden, mir zu helfen.
Ich bin viele Stunden allein.
Da lebe ich auf Messers Schneide.
Meine zwei bekanntesten Bücher sind biografisch, eines davon schrieb ich
mit meinen Brüdern zusammen. Ich schrieb aber auch Romane,
Kindergeschichten und Märchen. Ganz besonders Spass habe ich an
Märchenverfremdungen, worin zum Beispiel Hänsel und Gretel zu
Mitgliedern einer rechtsextemen Hexenkillergruppe mutieren.
Als brutal empfinde ich es, dass mit zunehmender Muskelschwäche die
Möglichkeit zu schreiben abnimmt. Eine kleine Hilfe ist mein virtuelles
Schreibmaschinchen. Viele Stunden pro Tag sitze ich am Computer für die
Organistion meines Alltags.
Ich tanze auf dem Seil oder schwebe und
fliege. Unter mir der Abgrund!
In den Nächten bin ich allein. Sollte mir die Hand hinunterfallen, kann
ich nicht um Hilfe läuten. Trotzdem ziehe ich es vor, so zu leben, statt
in einem Heim rund um die Uhr betreut zu werden. Ich verlasse mich auf
meine innere Quelle, die ich meine fünf Engel nenne und die mich immer
begleiten. Ich bin eine Seiltänzerin!
ursula.eggli@ursulaeggli.ch
Alle meine Bücher sind abzurufen unter
http://www.ursulaeggli.ch
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