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Susanne Kramer
Psychologin
Ich wuchs mit meiner Familie in
einem Einfamilienhaus auf, besuchte das Wirtschaftsgymnasium, arbeitete
drei Jahre als Verwaltungsangestellte und studierte Psychologie.
Knapp vor Studiumbeginn
realisierte ich, dass etwas nicht mehr war wie früher, z.B. dass ich den
Daumen zeitweise nur noch mühsam bewegen konnte.
Eines Tages merkte ich, dass
ich den Schirm nicht mehr so leicht öffnen konnte.
1993 hatte ich den ersten Schub
und mir wurde erstmals der Verdacht auf MS mitgeteilt. Sukzessive
steigerte sich die Krankheit, bis mir klar wurde, dass ich mir eine
Wohngelegenheit suchen muss, wo ich Unterstützung bei den körperlichen
Aktivitäten erhalte. In einer Aussenwohnung des IWB (Integriertes Wohnen
für Behinderte) habe ich das für mich genau Richtige gefunden. Dort
fühle ich mich sicher, weil rund um die Uhr eine Pflegeperson in der
Nähe ist. Diese kann ich bei Bedarf durch Knopfdruck zu mir bestellen.
Alles, was mich zu viel Energie kostet, wird mir abgenommen: kochen,
putzen, waschen; halt alles, was körperliche Kraft braucht.
Hier fühle ich mich sicher,
weil rund um die Uhr Personal zur Verfügung steht.
Ich wohne mit René zusammen.
Mein Freund Geni wohnt in einer anderen Aussenwohnung. Da sich diese
zwei auch gut verstehen, sind wir oft zu dritt in unserer Wohnung.
Ich bin schnell erschöpft und
muss meine Kräfte einteilen. Die Ausübung eines Berufs kann ich mir
nicht mehr zumuten. Die Kräfte, die mir noch bleiben, möchte ich für
meine Interessen und für soziale Kontakte brauchen.
Wenn „meine Batterie“ leer
ist, fühle ich mich so müde, dass ich nichts anderes machen kann, als
mich aufs Bett zu legen. Ohne Musik, ohne Licht, ohne Nichts.
Die Ungewissheit, wie sich meine
Krankheit in Zukunft entwickeln wird, macht mir Angst. Doch im Moment
gelingt es mir gut, mit meinem Schicksal umzugehen und ich empfinde viel
Freude in meinem Leben.
susanne.kramer@bluewin.ch |