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Hans Witschi
Künstler
Meine ganze Jugend verbrachte ich im
Rehabilitationszentrum des Kinderspitals Zürich. Mein Bettnachbar war
Alex. Wir beiden Buben bauten eine Freundschaft auf und entwickelten
Fantasien zu unserem späteren gemeinsamen Leben. Darin sahen wir uns als
Lotsen, am Rande des Flughafens lebend in einem kleinen Haus mit zwei
Schäferhunden.
Mit 16 wurde ich aus dem Spital
entlassen und begann eine kaufmännische Lehre in der Werbebranche.
Danach arbeitete ich 15 Jahre bei einer Bank. Vormittags schob ich Geld
hin und her, nachmittags Farben in meinem Atelier. Meine Bilder brachten
mir diverse Kunststipendien ein, darunter 1989 das Atelier in New York
der Stadt Zürich.
New York ist ein schwarzes Loch:
keine Ausstrahlung, aber eine ungeheure Anziehung.
Die Stadt ist genau das Richtige
für mich, alles ist auf kleinstem Raum vorhanden und erreichbar. In
Zürich war ich depressiver, fühlte mich mehr daneben als in NY. Ich
geniesse die Anonymität und meine Atelierwohnung. In die Schweiz komme
ich einmal pro Jahr um alte Freunde zu sehen oder zur Eröffnung einer
Ausstellung.
Der Rollstuhl ist mein Fahrrad.
Beim Gehen mit Stöcken gehen
habe ich immer zu Boden geschaut, aus Angst, auszurutschen. Seit ich den
Rollstuhl habe, schaue ich auch nach oben. Es ist auch viel gesünder, da
ich mich athletischer bewege.
Stundenlang kurve ich durch
unbekannte Gebiete der Stadt auf der Jagd nach Bildern. Das
Fotografieren ist eine direkte Konsequenz des Rollstuhlfahrens: Ich habe
zwei freie Hände. Momentan arbeite an einer Bildfolge zum Thema der
"homeless people".
Zuhause improvisiere ich an
meinem Flügel, manchmal trete ich auf. Ich habe ein eigenes
Notationssystem entwickelt und das Glass Farm Ensemble hat letzthin drei
meiner "Nuclei" in NY uraufgeführt.
Zwischenmenschlich arbeite ich
an einem erotischen Netzwerk, aber vor einer intensiven Bindung scheue
ich immer ein bisschen zurück. Meine Angst, in Abhängigkeit zu geraten
und dabei nicht mehr autonom bleiben zu können, ist gross.
Homepage:
handbook
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